| Fachgespräch zur Situation im Atommüll-Endlager Asse II | weiter | zurück zum Inhaltsverzeichnis |
Meine Damen und Herren,
als ich gefragt wurde, ob ich zum Thema Asse etwas sagen wolle, fühlte
ich mich sofort gebauchpinselt, denn 1969 und 1970 habe ich mehrere Monate
im Bereich der Asse verbracht und dort eine Oberflächenkartierung
durchgeführt. Ich muß allerdings sagen, manches von dem, was
ich damals festgestellt oder behauptet habe - damals war die Geologie noch
mehr erfahrungs- und behauptungsorientiert als messungsorientiert - stimmt
nicht mehr. Manches stimmt aber nach wie vor. Insbesondere hat mich gefreut,
in dem Schnitt, den Herr Hensel vorgeführt hat, zu sehen, daß
der Bewegungssinn der Verwerfungen in der Südwestflanke so ist, wie
das damals aus mechanischen Gründen gefordert worden war.
Natürlich macht es keinen großen Sinn, jetzt einen Vortrag
parallel zu dem von Herrn Hensel zu halten. Er ist viel dichter dran an
dem Material, er hat neueres Material und hat das ja auch vorgetragen.
Ich habe deshalb gegenüber dem vorgesehenen Programm auch den Titel
meines Vortrags verändert.
| Schachtanlage Asse II
Lehrbeispiel für vermeidbare Probleme
bei der Endlagerung
· Warum radioaktive Abfälle in
Asse II?
|
Letztlich möchte ich zu einer Konsequenz kommen: was können
wir aus dem Verfahren in Asse II lernen oder was haben wir schon gelernt?
Denn das ist sicher der Fall, daß wir aus diesen Vorgängen insgesamt
etwas gelernt haben. Ich bitte also alle diejenigen, die beteiligt waren,
die betroffen waren oder sich so fühlen, meinen Vortrag nicht als
Nachkarten, sondern als das Vorführen eines Lernprozesses zu verstehen.
Ich möchte noch eine Vorbemerkung machen im Hinblick auf den Status
der Asse, nicht den aktuellen geologischen, sondern den im Hinblick auf
seine Funktion. Die Asse ist ja ein merkwürdiger Zwitter. Sie ist
ein reales Endlager, auf der einen Seite, und andererseits eine langjährige
Versuchsanlage. Insgesamt ist dabei ein Anlagentyp herausgekommen, den
es sonst meines Wissens auf der Welt nicht gibt. Normalerweise haben Unter-Tage-Labors
die Funktion, standortunabhängig, also bevor es einen konkreten Standort
gibt, Grundsatzfragen zu klären. Diesem Typ von Unter-Tage-Labor gehört
etwa das Labor Grimsel in der Schweiz an, oder das Labor Äspö
in Schweden. Oder aber Unter-Tage-Labors haben die Funktion, an einem sorgfältig
ausgewählten Standort systematisch Schritt für Schritt zu prüfen,
ob denn die erwarteten Verhältnisse in der Realität auch vorhanden
sind, und dann allmählich zur Be-triebsphase überzuleiten. Das
ist das Vorgehen, wie es zur Zeit in Frankreich verfolgt wird: Am Standort
Bure, das wissen Sie, wird zur Zeit ein Schacht abgeteuft, um zu einem
solchen Unter-Tage-Labor zu kommen.
Ich will mich mit der Schachtanlage Asse als Lehrbeispiel nur
unter dem Blickwinkel ei-nes Geologen, insbesondere meinem persönlichen
Blickwinkel, beschäftigen. Ich werde mich nicht auseinandersetzen
mit der radiologischen Größe des Problems, dem Inventar. Ich
will auch nicht in die Diskussion einsteigen, ob Rückholung der Abfälle
richtig oder falsch wäre, denn dazu muß man doch eine sehr sorgfältige
Diskussion führen, zu der kann ich an dieser Stelle keinen Beitrag
leisten kann. Und ich will auch nicht inhaltlich dazu Stellung nehmen,
ob die relativ neue Idee, die restlichen Porenhohlräume mit einer
Lauge zu verfüllen, eine gute Idee im Zusammenhang mit der Generalidee
der Endlagerung in Salz darstellt.
Ich werde Ihnen also kurz aus meiner Sicht berichten, warum radioaktive
Abfälle in der Asse II sind, generell etwas zu Gefahren durch Laugenzutritte
sagen und Laugenzutritte und Standsicherheit in Asse II sowie Gefahrenabwehr
und Stilllegung der Anlage kurz behandeln, und zwar immer unter dem Blickpunkt,
was können wir vielleicht daraus lernen.
Warum radioaktive Abfälle in Asse II?
| Warum radioaktive Abfälle in Asse II?
· Interesse des Eigentümers, die unrentabel gewordene Anlage zu veräußern · Interesse des Bundes, Forschungsaktivitäten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle in Steinsalz zu beginnen. · Befürwortung durch BfB - Bundesanstalt für Bodenforschung (heute BGR - Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) bzw. NLfB - Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung · kein systematisches Auswahlverfahren - nur zufällige Einhaltung von Sicherheitsanforde-rungen an Endlager in Steinsalz, da Asse II ein "de-facto-Endlager" ist - standortspezifische Beurteilungsgrundlagen lagen zu Beginn der Abfall-Einlagerung noch nicht vor Þ Asse II erfüllt wichtige Anforderungen an Endlager nicht, obwohl "de-facto-Endlager" |
Es ist ja schon gesagt worden, daß maßgeblich für die
Auswahl von Asse II zwei Kompo-nenten gewesen sind, die zunächst einmal
nichts mit Sicherheitsaspekten zu tun hatten, näm-lich das Interesse
des Eigentümers, die Anlage, die unrentabel geworden war für
ihn, einer effektiven Nachnutzung zuzuführen bzw. zu verkaufen. Das
ist ja auch ein sehr vernünftiges Anliegen aus seiner Sicht. Damals
war es auch sicherlich vorausschauend, daß der Bund überlegt
hat, er müsse sich nun 'mal mit der Endlagerung beschäftigen.
Diese beiden Interes-sen sind durchaus verständlich und sinnvoll,
zumindest nachvollziehbar. Die Auswahl Asse II ist damals außerdem
befürwortet worden, wie das Herr Hensel schon angedeutet hat, durch
die beiden zuständigen Fach-Institutionen, die heutige BGR (Bundesanstalt
für Geowissen-schaften und Rohstoffe, damals Bundesanstalt für
Bodenforschung) und das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung.
Es hat aber - vor dem Hintergrund dieser Interessenlage - kein systematisches
Auswahlverfahren gegeben. Das heißt, wir haben einen Standort, der
ein de-facto-Endlager und zugleich eine Versuchsanlage ist, zu dem es kein
unter Sicherheitsaspekten gesteuertes systematisches Auswahlverfahren gegeben
hat. Das bedeutet auch, daß nur zufällig die Sicherheitsforderungen
an Endlager in Steinsalz eingehalten werden können, denn Asse II ist
nun mal ein Endlager ohne eine gezielte Auswahl. Das schließt aber
nicht automatisch aus, daß Sicherheit gegeben ist. Aus der
Diskussion darüber, welches Wirtsge-stein richtig oder falsch ist,
sind ja durchaus positive Merkmale von Steinsalz bekannt. Natürlich
kann auch ein Endlager ohne sicherheitsgerichtetes Auswahlverfahren gewisse
Vorteile aufweisen. Dies ist allerdings ein sehr heikler Punkt: Nach meiner
Kenntnis sind für die Nachnutzung von Asse II zwar Untersuchungen
durchgeführt worden, sie hatten aber nichts mit der Eignung der Anlage
im Hinblick auf die Langzeitsicherheit zu tun.
Die Kartierung, die ich 1969/70 durchgeführt habe gehörte
zu den ersten Arbeiten in die-ser Richtung. Die wichtigsten Untersuchungen
zur Geologie der Asse im Hinblick auf die Langzeitsicherheit sind in den
70er Jahren und den 80er Jahren durchgeführt worden. Nun muß
ich dazu sagen, daß damals vielleicht die Einschätzung dessen,
was wichtig und was weniger wichtig ist, eine andere war als heute: Die
absolute Notwendigkeit, mit Sicherheitsa-nalysen zu operieren und quantitative
Daten bereitzustellen, ist erst im Laufe der Jahre erkannt worden. Aber
dennoch bleibt es dabei: es hat damals für Asse II keine klaren Beurteilungs-grundlagen
bezüglich der Langzeitentwicklung gegeben, und schon gar nicht hat
es einen kompletten Sicherheitsnachweis gegeben, wie Herr Hensel ihn für
die Stillegung angekündigt hat. Sie wissen alle, daß solche
Sicherheitsnachweise heutzutagee vor Inbetriebnahme einer solchen Anlage
zu erarbeiten sind. Diese Mängel sind einfach da und auch nicht wegzureden.
Das bedeutet, daß aus methodisch-verfahrensmäßiger Sicht
Asse II wichtige Anforderungen an ein Endlager nicht erfüllt.
Zu dem Abschnitt Gefahren durch Laugenzutritte: Es ist ein bekanntes
Phänomen, daß es in Salzbergwerken Laugenzutritte gibt. Ein
Laugenzutritt stellt nicht per se eine Gefährdung der Anlage oder
der Langzeitsicherheit dar, aber es bereitet unter Umständen gewisse
Schwierigkeiten, harmlose von weniger harmlosen zu unterscheiden. Ich habe
hier 'mal aufgeschrieben (Folie 3), unter welchen Bedingungen Laugenzutritte
als kritisch zu betrachten sind. Nämlich dann, wenn ein großes
Wasserreservoir zur Verfügung steht. Und das erwartet man bei einem
Salzstock am ehesten im Deckgebirge, also nicht im Salz selbst. Das bedeutet
na-türlich, daß Laugenzutritte dann besonders kritisch sein
können, wenn sie Verbindung zum wasserführenden Deckgebirge haben.
Dann kann es sein, daß in Abhängigkeit von den dort herrschenden
Verhältnissen Salzauflösung durch süßes Wasser aus
dem Deckgebirge im Laufe der Zeit zur Aufweitung von Zutrittswegen in das
Bergwerk führt. Da man in der Regel diese Zutrittswege nicht genau
kennt und beschreiben kann, bedeutet das auch, daß eine Vorhersage
der Entwicklung praktisch nicht möglich ist, jedenfalls nicht im Sinne
einer exakten
| Gefahren durch Laugenzutritte
· Laugenzutritte sind in Salzbergwerken
keine Seltenheit
· kritische Bereiche
! Asse II |
Prognose. Es gibt die Möglichkeit, wir haben das eben gehört
von Herrn Hensel, maximal mögliche Zutrittsmengen abzuleiten, aber
prinzipiell ist eine exakte Prognose über die zeitli-che Entwicklung
von Mengen nicht möglich. Wenn das möglich wäre, könnten
wir sicher sein, daß nicht so viele Bergwerke abgesoffen wären.
Unbedeutend erscheinende Zuflüsse können letztlich zum Absaufen
des Bergwerkes führen, aber nicht jeder Zufluss muss mit dramatischen
Auswirkungen für ein Bergwerk verbunden sein; insbesondere dann nicht,
wenn rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Was sind nun mögliche kritische Bereiche im Zusammenhang mit Laugenzuflüssen?
Das sind die Grenzzonen zwischen dem Salzkörper - auf die Frage der
Problematik der Lösung von Kalisalzen durch natriumchlorid-gesättigte
Lösungen usw. will ich hier nicht eingehen - und grundwasserführendem
Neben- und Deckgebirge. Das sind bei Asse II zugleich Bergwerkszonen mit
hohem Anteil bergbaubedingter Hohlräume.
Der vereinfachte geologische Schnitt durch
die Asse lässt die Südwestflanke als Bereich mit besonders intensivem
Abbau erkennen (fetter Pfeil). Ich weise darauf hin, daß die Schichten
des Deckgebirges in der Südwest-Flanke steil stehen. Wichtige Einzelheiten
im Bau der Asse, wie die tiefe, flach liegende Buntsandstein-Scholle in
der Südwest-Flanke (su, sm) sind Ergebnis der Detailuntersuchungen,
ich glaube vom Anfang der 80er Jahre, wo durch die Tiefbohrung Remlingen
R5 ein neues Bild entstanden ist. Das führte dann auch dazu, daß
die Vorstellungen zur Genese der Struktur insgesamt modifiziert werden
mußten.
Was ich hier aber vor allem zeigen möchte, ist schlicht und einfach
die Nähe zwischen den kritischen Abbauregionen und dem wasserführenden
Deck- oder Nebengebirge (Grenze zwi-schen Salzgestein und Deck- bzw. Nebengebirge:
fette Linie).
Es ist aber nicht nur so, daß ein geringer Abstand zwischen den
kritischen Abbauen und dem wasserführenden Deckgebirge vorhanden ist
und daß das Deckgebirge nicht wasserführend wäre oder nur
ein kleines Reservoir zur Verfügung stünde. Durch die intensive
tektonische Beanspruchung während der Strukturentstehung sind vielmehr
vielfältige Durchlässig-keitsmöglichkeiten entstanden, die
insgesamt den verschiedenen Gesteinstypen in der Asse eine im Vergleich
mit anderen Regionen relativ hohe Wasserdurchlässigkeit verleihen
können.
Noch kurz zur Frage Laugenzutritte und Standsicherheit in Asse II. Es
hat während des Abbaubetriebs die durchaus üblichen Laugenzutritte
gegeben, auch noch zu Beginn des Einla-gerungsbetriebs. Man hat darin allerdings
keine Gefahr für die Langzeitsicherheit oder für den Betrieb
gesehen, weil man mit einer Ausnahme sicher ausschließen konnte,
daß es Verbin-dungen zum Deckgebirge gab. In einem Fall hat sich
die Schüttung erniedrigt oder ist ganz eingegangen. Sie können
sich erinnern an von Herrn Hensel gezeigte Diagramm der zutretenden Lösungsmengen
.
Kritisch war das Jahr 1988, als im Bereich der Südwestflanke neue
Lösungszutritte auftraten. Ursache war der hohe Durchbauungsgrad der
Südwestflanke, also der hohe Anteil an Hohlräumen im Gesteinskörper
insgesamt. Anlaß, das behaupte ich jetzt einfach 'mal, war die Auffahrung
neuer Hohlräume in tieferen Bergwerkslagen, die dazu geführt
haben, daß Spannungsumlagerungen stattfinden mußten, die dann
auch den Hohlraumbereich in der Südwestflanke erreicht haben und aufgrund
der Nähe zum Deckgebirge bis in das Deckgebirge mit den wasserführenden
Schichten hineinreichen.
| Laugenzutritte und Standsicherheit
in Asse II · während des Salzabbaus "übliche"
Laugenzutritte
- Ursache: Hoher Durchbauungsgrad der Südwestflanke
ab 1995 Verfüllung der Südwestflanke |
Die Herkunft der Lösungen - Sie haben das vorhin schon gehört von Herrn Hensel - war zunächst unklar. Heute, denke ich, gehen alle davon aus, daß diese Lösungen aus dem Deck-gebirge kommen. Das hat auch sehr viel für sich; denn wenn man aufaddiert, wieviel Kubik-meter da gekommen sind, müsste im Salzkörper selber ein erhebliches Reservoir vorhanden sein. Dafür gibt es meines Wissens keine Hinweise. Wir nehmen also den Zutritt aus dem Deckgebirge als gegeben hin; diese Annahme ist nicht unbedingt konservativ, sondern trifft wahrscheinlich die Realität. Der genaue Zutrittsweg - da sind sich wohl alle, die sich damit beschäftigt haben, einig - ist unbekannt. Wenn die gezeigten geologischen Darstellungen rich-tig sind, müssen die Lösungen allerdings durch den Oberen Buntsandstein der Südwestflanke kommen. Das ist deswegen interessant, weil der Obere Buntsandstein normalerweise nicht zu denjenigen Gesteinen gehört, die eine hohe Wasserdurchlässigkeit haben und deshalb größere Zutrittsmengen erlauben. Die Prognose der weiteren Entwicklung - hier kann ich mich nur wiederholen - ist schwierig. Das waren die Gründe, die dazu geführt haben, 1995 mit der Verfüllung der Südwestflanke zu beginnen.
Gefahrenabwehr und Stilllegung:
| Gefahrenabwehr und Stillegung
der Anlage · Prognosen über weitere Entwicklung
der Zuflussmengen und ihre Auswirkungen auf die Stabilität der Hohlräume
nicht möglich
|
Es ist vorhin der Name Hans-Helge Jürgens genannt worden. Dieser
Autor hat 1979 ein Szenario aufgegriffen und verfeinert (siehe
Abbildung), bei dem bereits für den Fall der Endlagerung der Grenzbereich
zwischen Salzkörper und Deckgebirge der Südwestflanke als kritisch
betrachtet wurde. Sie können ihn an den Pfeilen erkennen. Die kritischen
Sachverhalte in der Asse waren also seit dieser Zeit bekannt und viele
waren sich des Problems bewußt.
Zwischenruf: Frage nach der Herkunft des Bildes
Von Herrn Proske, GSF. Herr Jürgens hat das aufgegriffen und hat dann daraus sein Szenario abgeleitet.
So, warum sind die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Stilllegung der Anlage sinnvoll und richtig? Das ergibt sich natürlich daraus, daß Prognosen über die weitere Ent-wicklung der Zuflußmengen und ihrer Auswirkungen nicht möglich sind. Es ist klar, daß es Konvergenz und damit ein Zusammengehen von Hohlräumen gibt. Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sind unerläßlich. Ich möchte allerdings darauf hinweisen, daß nicht die Gefahr besteht, daß morgen die existierenden Hohlräume zu Bruch gehen, es handelt sich aber um eine Situation, die dringend Maßnahmen erfordert.. Die Verfüllung der Hohlräume in der Südwestflanke ist daher sinnvoll, aber sie wird natürlich erst allmählich die langfristigen Prozesse der Spannungsumlagerung beenden und die gewünschte Stützwirkung entfalten. Die Konsequenz ist, daß es keine neuen Forschungsprogramme mehr geben wird, sondern die Stillegung. Dafür - das hat Herr Hensel ja dargelegt - sind die erforderlichen Sicherheitsnachweise, insbesondere der Langzeitsicherheit, zu erbringen. Das wird erst zum Ende der Nutzung der Anlage der Fall sein, nicht vor Beginn, wie eigentlich erforderlich. Ich möchte im Übrigen angesichts der von Herrn Hensel und mir dargestellten Zusammenhänge darauf hinweisen, daß die Beschreibung und Modellierung des hydraulischen und hydrochemischen Systems mit dem Ziel, den Nachweis der Langzeitsicherheit zu führen, keineswegs trivial ist. Das ist vielmehr eine methodische und wissenschaftliche Herausforderung und die Probleme, die damit verbunden sind, haben auch etwas mit diesem Standort zu tun.
Ein atomrechtliches Planfeststellungsverfahren ist offenbar nicht vorgesehen
und auch nicht erforderlich - um das gleich klar zu sagen; Herr Komorowsky
braucht sich also nicht dazu melden, daß nicht auch so Rechtssicherheit
gewahrt wäre. Aber es wird dann doch so sein, daß es weder zu
Beginn noch zu Ende des Asse-Verfahrens zu einer qualifizierten und verfahrensmäßig
vorgegebenen Öffentlichkeitsbeteiligung kommt. Das schließt
natürlich nicht aus, daß der Betreiber sich darum bemüht,
zu informieren und die Öffentlichkeit in das Ver-fahren einzubeziehen,
wir werden heute Nachmittag ja wahrscheinlich noch etwas dazu hören.
So, jetzt komme ich zum Schluß und zu dem, was wir alle gemeinsam
gelernt haben oder lernen können:
| Lehrbeispiel Asse II
· Laugenzuflüsse und Standsicherheitsprobleme
in Asse II sind im wesentlichen bergbaubedingt, wären also grundsätzlich
vermeidbar gewesen
|
Laugenzuflüsse und Standsicherheitsprobleme sind im wesentlichen
bergbaubedingt. Ich habe das versucht zu zeigen: wenn die kritischen Abbaue
nicht so nah am Nebengebirge wä-ren, sähe die Sache im Hinblick
auf die kurzfristige Entwicklung vielleicht schon ganz anders aus. Die
Probleme haben also etwas mit der Geschichte zu tun. Sie wären damit
auch grundsätzlich vermeidbar gewesen. Das heißt, die eigentlich
in der Endlagerszene immer im Kopf befindliche Idee, ein reales Endlager
kommt an einen Standort, wo vorher kein Bergbau betrieben worden ist, ist
richtig. Dann vermeidet man nämlich solche Probleme, die mit der Bergbaugeschichte
zusammenhängen, auf grundsätzliche Art und Weise.
Aus heutiger Sicht - und das ist jetzt meine persönliche Einschätzung
- war die Entscheidung für Asse II sicherheitstechnisch und ökonomisch
falsch. Es mag richtig sein, daß damals alle geglaubt haben, sie
hätten richtig gehandelt; dann hätten sie aus heutiger Sicht
zumindest nicht genügend Informationen gehabt, um die richtige Entscheidung
zu treffen.
Abbaubedingte Standsicherheitsprobleme und Laugenzuflüsse können
auch noch viele Jahre nach Beendigung des Abbaus auftreten oder sich mengenmäßig
verändern, wie wir das in diesem Fall auch gesehen haben.
Spätfolgen intensiven Abbaus in einem solchen Bergbau sind vorab
offenbar schwierig oder nur mit hohem Aufwand oder überhaupt nicht
zu prognostizieren. Im Fall Asse II sind sie aufgrund der Gegebenheiten
und des jeweiligen Kenntnisstandes jedenfalls offenkundig unterschätzt
worden, sonst hätten wir diese Probleme nicht.
Daraus leite ich folgende Konsequenzen:
Es sollte auf keine Fall eine Nutzung ehemaliger Gewinnungsbergwerke
für die Endlagerung radioaktiver Abfälle geben. Das gilt auch
für Versuchsanlagen, wenn dort mit radioaktiven Abfällen umgegangen
wird und diese Abfälle in der Anlage verbleiben (ich glaube allerdings,
diese Befürchtung ist eine Chimäre; denn das wird es in Zukunft
nicht mehr geben).
Es muß bei der Endlagerung immer eine sorgfältige Standortauswahl
geben, und es dürfen solche Kriterien, wie sie bei der Entscheidung
für Asse II eine Rolle gespielt haben, nicht die verfahrensführenden
sein. Vielmehr muß immer die Sicherheit im Vordergrund stehen.
Und es soll natürlich, und da trage ich Eulen nach Athen, keine
Endlagerung ohne vorherigen Nachweis der Langzeitsicherheit und atomrechtliches
Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung geben. Damit sind wir sozusagen
beim Status quo; denn so macht man das heute.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
Die Mitschrift dieses Referats wurde dankenswerterweise vom Referenten
korrekturgelesen.
| Fachgespräch zur Situation im Atommüll-Endlager Asse II | weiter | zurück zum Inhaltsverzeichnis |