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Glück auf meine Damen und Herren,
das Thema meines Vortrags lautet „Geologie und Langzeitsicherheitsnachweis“.
Wie wir heute noch hören werden, wird die Schachtanlage Asse nach
Bundesberggesetz geschlossen und wir haben einen Nachweis der Langzeitsicherheit
zu führen. Langzeitsicherheit bedeutet den gefahrlosen Abschluß
der auf der Asse eingelagerten radioaktiven Abfälle gegen die Biosphäre.
Dieses wird gewährleistet durch das Mehrfachbarrierenkonzept
. Dabei ist darunter zu vestehen, dass mit den einzelnen oder mit der Summe
dieser Barrieren die Schutzziele, die mit dem Nachweis der Langzeitsicherheit
zu erreichen sind, auch erfüllt werden. Diese Barrie-ren sind zum
einen die Abfallform und die Verpackung, zum anderen der Versatz mit den
technischen Barrieren sowie das Nebengestein und das Deckgebirge.
Weil bei der Schließung der Schachtanlage Asse der Führung
des Langzeitsicherheitsnachweises eine besondere Bedeutung zukommt, wurde
das Projekt Langzeitsicherheit auf der
Schachtanlage Asse gegründet. Die Projektleitung untersteht direkt
der Geschäftsführung der GSF. Dem Projektleiter sind im wesentlichen
der Projektmanager sowie die Fachkoordi-natoren unterstellt. Die Projektleitung
wird weiterhin durch die DBE, das ist die Deutsche Gesellschaft zum Bau
und Betrieb für Endlager, beratend und praktisch unterstützt,
weil die DBE bereits umfangreiche Erfahrungen auf dem Gebiet der Nachweisführung
besitzt. Die Fachkoordinatoren haben die Aufgabe, die Sachverständigenarbeiten,
die wir in Auftrag ge-ben, zu betreuen, fachübergreifend abzustimmen
und so zu koordinieren, daß die Vorgehens-weise, die von der Behörde
gefordert wird, auch eingehalten wird. Sachverständige sind dabei
Personen oder Institutionen, die in unserem Auftrag, also im Auftrag der
GSF spezielle Fach-arbeiten zu erledigen haben. Weiterhin ist es die Aufgabe
der Fachkoordinatoren, den Sicher-heitsbericht zu erstellen.
Für die Schließung der Schachtanlage Asse sind einige Rahmenbedingungen
zu berücksichtigen, die aus der Geschichte des Bergwerks vorgegeben
sind. Bei der Schachtanlage Asse handelt es sich um ein altes Bergwerk,
in dem Kali und Steinsalz gewonnen worden ist. Ich zeige Ihnen hier den
Schnitt
2 durch die Schachtanlage Asse. Sie sehen, wie bereits erwähnt,
wurde zunächst Carnallitit abgebaut, später Staßfurt- und
Leine-Steinsalz im Bereich der Südflanke. Diese bergbaulichen Eingriffe
in den Salzssattel haben den Spannungszustand geändert, es finden
Spannungsumlagerungen im Salzstock und auch im Deckgebirge statt, was zu
Verformungen führt. Diese Verformungen pausen sich über das Deckgebirge
bis hinauf zur Tagesoberfläche durch. Von diesen Verformungen ist
bereits ein beträchtlicher Teil abgelaufen.
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch gleich den geologischen
Aufbau der Asse kurz erläutern
.
Sie sehen hier den Asse-Salzsattel. Der Sattelkern besteht aus älterem
Steinsalz, der mit dem Staßfurth-Carnallitit überlagert wurde.
Darüber liegt das jüngere Steinsalz. Währenddem die etwas
flacher einfallende Nordflanke aus den Deckgebirgsschichten von Unterem
Bunt-sandstein bis zur Tagesoberfläche hochgedrückt worden ist,
besteht die steilstehende Südflanke, die mit etwa 80 Gon nach Süden
einfällt, aus dem Oberen Buntsandstein mit dem Mu-schelkalk und den
darauffolgenden Deckgebirgsschichten. Die Geologie wurde im wesentlichen
durch Tiefbohrungen im Bereich der Südflanke erkundet. Sie sehen hier
dargestellt die Tiefbohrung Remlingen 6, hier die Tiefbohrung Remlingen
5. Es wurden Kartierungen über Tage durchgeführt und seismische
Messungen. Wer aus dem Raum Remlingen kommt, wird sich daran noch erinnern,
daß vor ein paar Jahren die Geophysik durch die Asse gezogen ist.
Die Ergebnisse dieser ganzen Untersuchungen wurden zusammengestellt zu
diesem geologischen Schnitt. Wir haben natürlich mehrere geologische
Schnitte. Wir sind auch seit dieser seismischen Untersuchung in der Lage,
tektonische Elemente wie sie selbstverständlich im Deckgebirge auftreten,
auch darzustellen.
Ein weiterer Schwerpunkt, oder eine weitere Rahmenbedingung, der wir
uns zu stellen haben bei der Schließung der Schachtanlage Asse, stellt
der Salzlösungszutritt dar, der auch bereits angesprochen worden ist.
Im Bereich der Südflanke tritt seit mehreren Jahren, präzise
gesagt seit 1991 ein an Natriumchlorid also an Steinsalz gesättigter
Zutritt in das Grubengebäude ein. Sie sehen hier die Entwicklung
des Laugenzutritts. Wir fassen zur Zeit etwa 11 Kubikmeter Lauge pro
Tag. Die Entwicklung, die hier verschiedenen Schwankungen unterliegt, beruht
darauf, daß wir die Auffangmöglichkeit der Lauge immer mehr
verbessert haben. Es war uns zu Beginn natürlich nicht möglich,
direkt an die Zutrittsstelle heranzukommen, diese liegt im Südteil
der Abbaue. Wer die Asse kennt, weiß, daß die Abbaue aufgrund
der abgelaufenen Verformungen in einem Zustand sind, daß wir es aus
Sicherheitsgründen (Steinfallgefahr) nicht verantworten können,
dort Leute hineinzuschicken. Wir haben aber dennoch eine Möglichkeit
gefunden, die zutretende Lauge vollständig zu fassen, und seit die-ser
Zeit fassen wir etwa 11 Kubikmeter pro Tag.
Es ist natürlich auch interessant zu wissen, woher die Lauge überhaupt
kommt. Zu diesem Zweck haben wir verschiedene Untersuchungen
durchgeführt. Zum einen die chemischen Analysen, um anhand der Genese
der Lauge Aussagen treffen zu können, aus welchen Gesteinen eventuell
auch des Deckgebirges die Lauge in das Grubengebäude der Asse eintreten
kann. Zum anderen haben wir seismische Messungen durchgeführt sowie
geoelektrische Messungen, Sonar- und Radarmessungen aus den Bereichen der
Südflanke, die auch aus Sicherheitsgründen vertretbar zugänglich
waren. Momentan führen wir einen Tracerversuch durch, d.h. wir haben
in die Tiefbohrung Remlingen 6 einen Markierungsstoff eingegeben und beobachten
bzw. beproben den Zutritt auf diesen Markierungsstoff. Bisher ist der Markierungsstoff
noch nicht im Grubengebäude festgestellt worden. Wir können mit
diesen durchgeführten Untersuchungen nicht mit Sicherheit sagen, woher
die Lauge kommt und welchen Weg sie im Deckgebirge bzw. welchen Weg sie
nimmt, bevor sie in das Grubengebäude eintritt. Aus diesem Grund gehen
wir davon aus, dass sie aus dem Deckgebirge kommt, also wenn Sie so wollen
nehmen wir hier den ungünstigsten Fall an. Zur Beherrschung das Salzlöungszutritts
gehört, daß wir den Zutritt auch überwachen.
Wir führen eine aus meiner Sicht sehr genaue Mengenbestimmung durch.
Ich gehe davon aus, daß wir nahezu100 % der zutretenden Steinsalzlösung
auffangen. Die Salzlösung wird chemisch analysiert, um ihre Zusammensetzung
ständig zu überwachen. Die Dichte der Lauge wird kontinuierlich
überwacht. Wir haben eine, ich sagte es bereits, an Steinsalz, also
an Natriumchlorid gesättigte Steinsalzlösung, und diese hat eine
Dichte von 1,206 bis 1,208 g/ccm, sie ist somit gesättigt. Diese Dichtemessung
ist äußerst wichtig. Wenn sich die Dichte nämlich ändern
würde, könnte das Folgen für die Entwicklung des Zutritts
haben. Weiterhin führen wir Temperaturmessungen durch. Damit wird
geprüft, ob die zutretende Steinsalzlauge auch die Gebirgstemperatur
aufweist. Bei den hydrologischen Untersuchungen, die wir hier auf der Asse
durchführen, hat unser Sachverständiger festgestellt, daß
eine maximale Zutrittsmenge von etwa 450 Kubikmeter pro Tag theoretisch
möglich wäre. Diese Menge ermittelt sich aus der Ergiebigkeit
des Deckgebirges sowie aus der Grundwasserneubildungsrate.
Als letzte Randbedingung sind die aufgeschlossenen Carnallititflächen
zu nennen. Die Carnallititabbaue sind nach unserem Rißwerk nicht
alle vollständig verfüllt. Wir fahren jetzt Strecken dorthin,
um diese Carnallititabbaue nachträglich zu verfüllen. Es wurden
weitere Carnallititflächen aufgeschlossen: einmal durch Strecken im
vorhandenen Grubengebäude. Ein anderes Mal haben wir bei den Verfüllmaßnahmen
auch einzelne Strecken im Streichen der Sohlen aufgefahren und dabei Carnallitit
aufgeschlossen. Wenn nun die Natriumchlorid-Lauge in der Nachbetriebsphase
weiter läuft so wie wir das vermuten, wird sie auf natürli-chem
Weg nach unten gelangen und das Grubengebäude langsam von unten nach
oben auffüllen. Sie wird in den Bereich der Lagerkammern kommen, auch
in Kontakt mit den eingelager-ten radioaktiven Abfällen. Es können
Radionuklide so in Lösung gehen und dann durch den Konvergenzprozeß
aus den Lagerkammern in das übrige Grubengebäude und schließlich
auch ins Deckgebirge gelangen. Diesen Ausbreitungspfad zu verfolgen und
abzuschätzen, wie hoch die Konzentrationen sind und welche Radionuklide
sich auf diesem Weg befinden könnten, das ist ein Schwerpunkt für
den Nachweis der Langzeitsicherheit. Die Natriumchloridlauge hat jedoch
noch eine Eigenschaft: sie löst Carnallitit auf. Das bedeutet, sie
hat in Steinsalz zwar kein Lösungspotential, jedoch in Carnallitit.
Das heißt wir müssen diese aufgeschlossenen Carnallititflächen
besonders schützen vor einer weiteren Umlösung. Bei der Umlösung
von Carnallitit fällt Steinsalz aus und Carnallitit geht so lange
in Lösung, bis sich eine an Ma-gnesiumchlorid gesättigte Sole
in dem Grubengebäude bildet. Diese Umlöseprozesse führen
zu Auflockerungszonen, die sich wiederum gebirgsmechanisch auf das Gesamtsystem
auswir-ken können. Aus diesem Grund untersuchen wir die Möglichkeit
bzw. verfolgen wir das Ziel, die Carnallititflächen vor dieser Umlösung
schützen. Das beabsichtigen wir mit der Zugabe eines Schutzfluids.
Wir untersuchen die Möglichkeit, die Porenräume, die im Versatz
vorhanden sind - sie können den Versatz nie so dicht einbauen, daß
der die Dichte des natürlichen Steinsalzes hat, was auch aus gebirgsmechanischer
Sicht von unserer Seite aus gar nicht gewünscht ist - gleich mit Magnesiumchlorid-Lauge
zu füllen. Das heißt, wir greifen der Zeit lediglich vor. Es
würde später in der Nachbetriebsphase in jedem Fall eine an Magnesium-chlorid
gesättigte Lösung im Grubengebäude anstehen.
Die eigentliche Nachweisführung erfolgt zunächst in der Erfassung
der Standortgegebenheiten. Dabei werden das Radionuklidinventar,
die stoffliche Zusammensetzung, die Geometrie des Grubengebäudes,
die Geologie des Salzsattels, die Seismlogie, die Gebirgsmechanik und die
Hydrogeologie beschrieben. Das Radionuklidinventar und die stoffliche Zusammensetzung
sind uns bekannt, die Geometrie ergibt sich aus dem Rißwerk, das
wir für die Schachtan-lage Asse führen. Die Geologie des Salzsattels
ist aus unserer Sicht hinreichend erkundet, die Seismologie wird seit mehr
als 20 Jahren kontinuierlich überwacht. Bei der Gebirgsmechanik und
der Hydrologie sind wir noch dabei, die vorhandenen Kenntnisse in Modelle
umzusetzen. Dabei - ich zeige hier das Beispiel eines solchen gebirgsmechanischen
Modells - müssen natürlich Vereinfachungen durchgeführt
werden, denn wir können die aRealität niemals naturge-treu abbilden.
Das ist auch nicht weiter erforderlich. Sie sehen, daß wir in diesem
Modell auch auf die tektonischen Elemente Rücksicht nehmen.
Nachdem wir die Standortgegebenheiten kennen, entwickeln wir technische
Maßnahmen zur Schließung der Schachtanlage Asse. Dabei
sind natürlich die von mir eingangs genannten Rahmenbedingungen zu
berücksichtigen. Die technischen Maßnahmen beschränken
sich auf die Lagerkammern sowie auf das Nahfeld der Lagerkammern, den Schutz
der Carnallititbereiche vor Umlösevorgängen sowie die Verfüllung
des restlichen Grubenbereiches und zum Schluß natürlich auch
die Verfüllung der Tagesschächte 2 und 4.
Auf der Grundlage der Standortgegebenheiten werden technische Maßnahmen
entwickelt, die nun den langzeitig gefahrlosen Einschluß der radioaktiven
Abfälle in der Schachtanlage Asse gewährleisten sollen. Welchen
möglichen Entwicklungen in der Zukunft dieses Verfüll- und Verschlußkonzept
standhalten muß, wird in der geowissenschaftlichen Langzeitprognose
untersucht. Bei der geowissenschaftlichen Langzeitprognose
werden mögliche Ereignisse im Zusammenhang mit Klimaänderungen
oder geologisch-tektonischen Entwicklungen, Erdbeben und Vulkanismus untersucht.
Die eigentliche Langzeitsicherheitsanalyse ,
die sich an die geowissenschaftliche Langzeitprognose anschließt,
untergliedert sich in die Szenarien- und die Konsequenzenanalyse. Bei der
Szenarienanalyse
werden Ereignisse und Prozesse, die das Gesamtsystem beeinflussen, erfaßt.
Das sind z.B. die Zutrittsrate der Salzlösung, die sich ändern
kann. In der Zutrittsphase können sich auch die Fließwege ändern.
Sollten wir dieses Vorhaben einer Schutzfluidzugabe umsetzen, können
wir bei der Szenarienanalyse auf diese ersten Prozesse verzichten. Was
jedoch in jedem Fall untersucht werden muß, ist die Mobilisierung
der Schadstoffe aus dem Abfall und die Sorption der Schadstoffe, die Gasbildung
und Gasausbreitung, die Strömung aus Dichteänderung, die Konvergenz
der Hohlräume und die Kompaktion von Abfall und Versatz. Das sind
alles die Motoren, die die Nuklidausbreitung in Gang setzen. In der Konsequenzenanalyse
wird gezeigt, ob mit den technischen Maßnahmen und den möglichen
Entwicklungen auch die Schutzziele der Langzeitsicherheit eingehalten werden.
Sollte dieses nicht der Fall sein, müssen wir gegebenenfalls die technischen
Maß-nahmen ändern. Dieser iterative Prozess führt letztendlich
zu einem Verfüll- und Verschluß-konzept, das den Langzeitsicherheitsanforderungen
genügt. Ich möchte noch kurz den Stand unserer Arbeiten darstellen.
Wir sind dabei, die Standortgegebenheiten in Modelle
umzusetzen.
Wir planen technische Maßnahmen. Die geowissenschaftliche Langzeitprognose
und Szenarienanalyse werden von unseren Sachverständigen bearbeitet.
Ergebnisse kann ich Ihnen nicht nennen, weil wir noch sehr weit am Anfang
stehen. Alle Arbeiten, die wir durchführen, werden kontinuierlich
von der Zulassungsbehörde überwacht, damit wir die vorgegebenen
Wege einhalten.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
An den Vortrag schlossen sich einige Fragen an, die aus technischen
Gründen nicht mitgeschnitten worden sind. Unter anderem ging es um
die Folgen des Laugenzuflusses. Nach Einschätzung der GSF würde
es nach Verfüllung der Hohlräume mit Salz der Halde Ronnenberg
120 bis 150 Jahre dauern, bis die Asse auf natürlichem Weg mit Natriumchlorid-Lauge
vollgelaufen ist.
Die Mitschrift dieses Referats inclusive der Nachbermerkung wurden
freundlicherweise vom Referenten korrekturgelesen.
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