aaalogo

AKTION ATOMMÜLLFREIE ASSE
Dokumentation des 2. Fachgespräch zur Situation im Atommüll-Endlager Asse II
23. April 2005, Wolfenbüttel, Kirchencampus






Inhalt

Vorwort

Eröffnung

Dr. Ursula Kleber:
Von der Versuchs-Endlagerung
zur Versuchsstilllegung?


Günther Kappei
Überblick über das Geschehen auf der Schachtanlage Asse II seit Oktober 2001


Dr. Gerd Hensel
Das Schließungskonzept der Schachtanlage Asse II und der Stand der Arbeiten zum  Langzeitsicherheits-
nachweis



Dr. Christa Garms-Babke
Die Wahl zwischen Pest und Cholera? Konsequenzen aus dem Asse-Dilemma

Diskussion 1

Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake
Wie verläßlich sind die Grenzwerte? Neue Erkenntnisse über die Wirkung inkorporierter Radioaktivität

Diskussion 2

Dr. Joachim. Bluth
Das Konzept zur Beteiligung der Öffentlichkeit im Verfahren zur Schließung der Schachtanlage Asse

Nikolaus Piontek
Unabhängige juristische Stellungnahme

Diskussion 3

Verzeichnis der
anwesenden Institutionen
und Initiativen


Pressestimmen

Briefwechsel mit Frau
Ministerin Bulmahn


          
Dr. Ursula Kleber, Aktion Atommüllfreie Asse und AufpASSEn e.V.
Von der Versuchs-Einlagerung zur Versuchs-Stilllegung?


Guten Morgen, meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter!

Die Einlagerung von Atommüll in die Asse haben wir vor 44 Jahren als Versuch verkauft bekommen mit allen Mißverständnissen, die dieser Begriff Versuch impliziert. Asse II ist nun das erste Endlager, das stillgelegt wird. Ist das nun auch ein Versuch? Und genauso wenig ist es ja wieder gutzumachen wie die Versuchs-Einlagerung.

Diese Veranstaltung heute soll dazu dienen, das Stilllegungsverfahren weiter transparent zu machen und durch breite Information und Diskussion diesen Versuchscharakter aufzuheben. Wir haben uns in ähnlichem Kreis vor 3 ½ Jahren im Oktober 2001 getroffen. Das war das erste Mal, dass das Schließungskonzept für Asse II einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde und dass uns die Brisanz dieser ganzen Schließungsgeschichte des Atommüllendlagers so richtig deutlich wurde.

Wir haben damals im Referat von Herrn Appel gehört, dass nach heutigem Stand niemals mehr in ein ehemaliges Salzbergwerk Atommüll eingelagert werden könnte, dürfte, weil die Risiken durch den ehemaligen Bergbau viel zu unüberschaubar sind. Wir haben damals auch gehört, wie die GSF dem nicht zu stoppenden Laugeneintritt in das Bergwerk begegnen will, nämlich mit der Zuführung einer anderen Lauge, die im Rechenmodell die zerstörerische Wirkung der eindringenden Lösung ausgleichen kann. Und dabei haben wir auch gelernt, dass die trockene Einlagerung, wegen der man einmal Salz als Einlagerungsmedium propagiert hat, gar nicht mehr primäres Ziel der Endlagerpolitik sei, dass es jetzt einfach darum geht, offiziell, nicht mehr den grundsätzlichen Abschluss des Atommülls von der Biosphäre zu erreichen, sondern um den gefahrlosen Abschluss des Atommülls von der Biosphäre, wobei das Wort „gefahrlos„ ja einen Definitionsspielraum lässt.

Insgesamt ist es so, dass zahlreiche Befürchtungen, die von uns als Bürgerinitiative und von anderen Kritikern seit Jahren geäußert wurden, seit 2001 von offizieller Seite nach und nach bestätigt wurden. Seit damals haben etwa im Halbjahresabstand zahlreiche Veranstaltungen zur Asse stattgefunden, vorwiegend durch die GSF selbst. Auf denen wurden die vorgesehenen Maßnahmen erläutert, es wurde ein Überblick über die eingelagerten Stoffe gegeben und das Voranschreiten der Arbeiten konnte mitverfolgt werden. Und daran freuen uns zwei Dinge ganz besonders: einmal., dass, die GSF mittlerweile auch in der Lage ist, Unsicherheiten zuzugeben. Die Verschiebungen im Terminplan zur Vorlage des Langzeitsicherheitsnachweises sprechen vielleicht einmal für die auftretenden Schwierigkeiten, aber sicherlich auch für die Gründlichkeit der Arbeiten, die durchgeführt werden. Der Langzeitsicherheitsnachweis war ja zuerst für Anfang 2003 angekündigt und mittlerweile sollen die notwendigen Untersuchungen wohl bis Ende 2005 dauern.

Das zweite was uns daran freut ist, dass die Veranstaltungen nicht nur in einem kleinen Insiderkreis wahrgenommen worden sind, sondern dass sie unter reger Beteiligung der Bevölkerung stattfinden. Und wer eine solche Veranstaltung verpasst, kann die vollständigen Referate sogar im Internet nachlesen.. Diese ausführliche Informationsarbeit der GSF ist neu und wir halten sie für eine sehr positive Entwicklung und sind da sehr froh drüber. Und wir freuen uns auch über die Gesprächsbereitschaft der GSF auch außerhalb dieser Veranstaltungen, die immer wieder ermöglicht, dass Interessierte sich mit der GSF über Einzelfragen intensiv austauschen können und das wurde ja auch reichlich genutzt.
Aber nicht nur hier ist etwas geschehen. Wir finden auch ganz wichtig, was seitdem sonst um die Asse herum geschehen ist. Vor vier Jahren noch war das Endlager einfach kein Thema in der Öffentlichkeit. Das hat sich auf vielen Ebenen deutlich geändert. Mit der Ausweisung des Geoparks Harz - Braunschweiger Land - Ostfalen, den Frau Bulmahn auf der Eröffnung als Juwel der Geowissenschaften bezeichnete, hat auch die Asse als Bestandteil dieses Geoparks breitere Öffentlichkeit gefunden und das Endlager Asse II selbst ist Bestandteil des geologischen Rundweges durch die Asse, also wird erwähnt.

Dann haben sich Remlinger Bürgerinnen und Bürger ihre Lage am Fuß der Asse bewußt gemacht und fordern umfassende Umgebungsüberwachung auch nach der Stilllegung. Das Konzept der wartungsfreien Endlagerung, das wohl immer noch besteht, ist für Anlieger nicht nachvollziehbar und wird nicht akzeptiert.

Der Kreistag des Landkreises Wolfenbüttel hat sich auch wieder zur Frage Asse II aktiviert und im November 2004 gab es in Remlingen eine spannende und gut besuchte Veranstaltung, an die jetzt auch wieder angeknüpft werden kann.
Und endlich soll - unter anderem durch die Initiative aus dem Umweltausschuss des Kreistages - die Frage bearbeitet werden, ob es überhaupt zulässig sein kann, die Abfälle in einem so undichten Salzstock zu belassen.

Auch überregional ist das Interesse an Asse II gestiegen. Im September 2003 wurde AufpASSEn gegründet als überregionaler Verein, der sich mit dem Schließungsverfahren auseinandersetzt und auch damit was danach weiter geschehen soll. Und dass mit der Schließung von Asse II als erstem deutschen Endlager Maßstäbe gesetzt werden und auch deshalb ein besonderer Augenmerk auf das Verfahren gerichtet werden muss, ist mittlerweile breit anerkannt.
Als Initiative erfahren wir mittlerweile weltweit Unterstützung. Im Sommer 2003 war die amerikanische Professorin Joanna Macy bei uns zu Gast, die sich seit Jahrzehnten mit Fragen des Atommülls auseinandersetzt.

Wir fordern seit Jahren ja schon eine formale Öffentlichkeitsbeteiligung am Stilllegungsverfahren. Das Atomgesetz sieht so was vor; das Bergrecht, nach dem Asse II geschlossen wird, sieht so was nicht vor. Die Unterstellung unter das Atomrecht mit dem Ziel, dadurch die Öffentlichkeitsbeteiligung zu erzwingen, ist jetzt vielleicht nicht mehr notwendig. Auch ohne das wird mittlerweile an einem Beteiligungsverfahren für  die Öffentlichkeit gearbeitet und von der heutigen Veranstaltung erwarten wir, dass wir auch in dieser Sache mehr Klarheit bekommen.

Ja. Im Gegensatz zur GSF - also wir loben nicht nur, wir haben auch noch Konfliktpunkte - halten wir das Problem des Atommülls in der Asse nicht für lösbar, aber nur durch regen Austausch und Diskussion kann letztlich ein wie auch immer bester Umgang mit einem solchen die Zukunft belastenden Problem gefunden werden. Und ich hoffe, dem kommen wir mit dieser Veranstaltung ein Stück näher.


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