Nach dem im Frühjahr 2002 erstellten
Radionuklidinventar
enthielten die Fässer am 1.1.2002 neben anderen Radionukliden auch
insgesamt 102 Tonnen Uran und 11,6 kg Plutonium, und die gesamte
Strahlungsaktivität
betrug 83.300 Curie . Während das Plutonium-241 mit einer
Halbwertszeit
von 14 Jahren relativ schnell zerfällt, beträgt die des
Plutonium-239
24.000 Jahre, und die der Uran-Isotpe viele Millionen Jahre. In 2009
wurde die Plutonium-Menge in einer neuen Auswertung der Unterlagen auf
28 kg korrigiert.
Mittlerweile verstärken sich die Hinweise darauf, dass das
damals estellte Radionuklidinventar Lücken enthält und
außer den sogenannten mittel- und leichtradioaktiven
Abfällen auch abgebrannte Brennelemente in der Asse eingelagert
wurden. Auch die dem Bundesumweltministerium zugeordnete
Entsorgungskommission stellt in ihrem Bericht
vom 25.9.2008 zahleiche Unsicherheiten bezüglich des Inventars
heraus.
1978
traten
neue Bestimmungen des Atomgesetzes in Kraft. Danach ist ohne
Durchführung
eines Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung
keine
Endlagerung von Atommüll möglich. Ein solches
Planfeststellungsverfahren
wurde bis heute nicht beantragt, die Einlagerung von Atommüll
wurde
Ende 1978 eingestellt - wie der Pressesprecher Herr Haury am 23.7.08
mitteilte, nicht aufgrund der 1978 erfolgten
Risikoabschätzung, die als größten anzunehmenden
Unfall einen Wassereinbruch annahm, sondern aufgrund der neuen
Regelungen.
Aber es wurde weiter mit radioaktiven
Substanzen
geforscht, es wurden technische Verfahren entwickelt und Tests zum
Verhalten
von Salz bei Strahlungs- und Wärmeeinwirkung durchgeführt.
Dazu
wurde das Bergwerk weiter ausgebaut. Erst 1992 wurde die
Versuchstätigkeit
eingestellt.
Von der
"Versuchs"einlagerung zur
"Versuchs"-Stilllegung?
In einem Gutachten, das das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung, das Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld und das Bergamt Goslar im Auftrag des Niedersächsischen Umweltministeriums erstellen, wurde 1993 festgestellt, dass ein nicht mehr beherrschbarer Wassereinbruch in das Bergwerk nicht auszuschließen ist. Zur Verbesserung der Standfestigkeit empfahlen die Gutachter daher die Verfüllung der verbliebenen Hohlräume (insgesamt ca. 2,5 Millionen m³) mit Salz.
1995 begann die Verfüllung. 10 Jahre lang brachten Tag für Tag Güterzüge Abraumsalz zur Schachtanlage, das dann in die Hohlräume geblasen wurde.
Um endlich eine öffentliche Diskussion über die Stilllegung von Asse II in Gang zu bringen, ludt die Wolfenbütteler Bürgerinitiative "Aktion Atommüllfreie Asse" (AAA) zum 20.10.2001 GSF und kritische Experten zu einer Tagung ein. Hier stellte die GSF dar, dass seit 1991 Laugenzutritte beobachtet werden, und seit 1998 täglich 11 m³ Steinsalzlauge ins Bergwerk laufen. Die Flüssigkeit komme aus dem Deckgebirge, die genaue Herkunft sei nicht aufzuklären und der Zutritt nicht zu stoppen. Dazu komme, dass die Steinsalzlauge auch die aufgeschlossenen Carnallititbereiche im Bergwerk auflöse. Durch das Volllaufen der Grube würden auch die Lagerkammern mit Salzlösung gefüllt und Radionuklide könnten in Lösung gehen. Diese Lösung könnte durch Konvergenzbewegungen dann schließlich auch ins Deckgebirge gepresst werden.
Man gehe aber davon aus, Anfang 2003 den
für die
Schließung
notwendigen Sicherheitsbericht vorlegen zu können. (siehe Dokumentation
der 1. Fachtagung zur Asse mit der Mitschrift aller Referate)
Die Vorlage des Sicherheitsnachweises
wurde dann mehrmals verschoben. Bis 2008 ging die GSF jedoch davon aus,
für
das Stilllegungsverfahren den Nachweis der Langzeitsicherheit erbringen
zu können. Dafür wurden Konzepte mit einem "Schutzfluid"
durchgerechnet: Kern dieses Konzepts ist die Flutung des Bergwerks
mit Magnesiumchlorid-Lösung. Sie soll verhindern, dass die
einsickernde
Steinsalzlauge den Carnallitit zersetzt. (1 m³ Steinsalzlauge
zerstört 3 m³ Carnallitit.) Das "Schutzfluid"-Konzept, zu
dem
die GSF keine Alternative nennen konnte, ist noch nie irgendwo
eingesetzt
worden. Mitarbeiter der GSF haben auf öffentlichen Veranstaltungen
eingeräumt, dass sie nicht ausschließen können,m dass
der
radioaktive Abfall mit Laugenzuflüssen in Kontakt kommt. Welche
Wege
sich diese Laugenzuflüsse nach der Verfüllung suchen ist
unbekannt. (Zur Aussagekraft der Modellrechnungen, die die Basis des
Langzeitsicherheitsnachweises bieten, siehe Homepage des
Asse-II-Rechtshilfefonds.)
Nach Auskünften auf weiteren
Veranstaltungen der GSF hat sich
der
Laugenzufluss bis April 2003 auf etwa 12,5 m³/Tag erhöht.
GSF-Geologe
Taylor am 23.4.03: "Der Berg drückt - wir müssen handeln".
Am 23. April 2005 fand die 2.
Fachtagung zur Asse statt.
Im November 2005 wurde dann die Vorlage
des
Landzeitsicherheitsnachweises auf unbekannte Zeit verschoben, da es
über die Entwicklungen in den Kammern, in denen der Atommüll
liegt, neue Erkenntnisse gibt. Hier
zum Vortrag
von Dr. Hensel, gehalten auf der
Öffentlichkeitsveranstaltung der GSF am 17. November 2005, in dem
er diese Problematik bekannt machte.
Im Dezember 2006 wurden die Berechnungen
abgeschlossen - das
Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie hat den dort
vorgelegten
Abschlussbetriebsplan, dessen Bestandteil auch der Sicherheitsbericht
mit Langzeitsicherheitsnachweis ist, Mitte März 2007 jedoch an die
GSF zurückverwiesen.
![]() |
Klage auf Atomrecht 2007
eingereicht Schon immer stieß auf Unverständnis, dass Asse II
nicht
dem Atomrecht untersteht. Wie oben beschrieben, wurde mit
Verabschiedung des Atomgesetzes die Einlagerung eingestellt und es fand
nie ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren statt. Bis Ende 2008 war
ja
für Asse II das Bundesforschungsministerium und nicht wie für
Atomanlagen vorgesehen das Bundesumweltministerium zuständig.
Aktuelle Informationen zum Stand der gerichtlichen
Auseinandersetzungen hier. |
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Die Klage auf Atomrecht findet in
der Region um
die Asse breite Unterstützung.
Der Asse-II-Rechtshilfefond wurde gegründet, und in der Remlinger
Erklärung, die am 4. April 2007, dem 40. Jahrestag des
Einlagerungsbeginns, verkündet wurde, stellen sich immer mehr
Personen, Initiativen und kommunale Gremien hinter die Forderung
nach einem umfassenden und transparenten Neubetrachtung der
gesamten Problematik.
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Remlinger ErklärungDie Asse II ist kein normales Bergwerk, sondern Deutschlands größtes bestehendes Atommülllager. Das Deckgebirge der Asse ist weder dicht noch stabil noch trocken, die Gesteinsbewegungen nahmen unerwartet stark zu und seit 1988 fließen täglich 12 Kubikmeter Wasser in den Schacht. Der Atommüll lässt sich nicht dauerhaft vor unkontrollierten Zuflüssen schützen. Aus dieser Not heraus wollen die Betreiber das Bergwerk flüssig verfüllen und den Atommüll nicht rückholbar sich selbst überlassen. Dieser Plan nimmt die Auflösung der Verpackungsgebinde und die Verseuchung des Grundwassers durch austretende Radionuklide innerhalb weniger Jahre bewusst in Kauf. Wir fordern, Asse II nicht per Flutung stillzulegen. Der Atommüll muss rückholbar bleiben. Alle notwendigen Maßnahmen für eine mögliche Rückholung sind umgehend im Detail zu planen und genehmigungsrechtlich abzusichern. Damit die Rückholung möglich bleibt, muss das Bergwerk sofort stabilisiert werden. Parallel dazu müssen in einem öffentlich nachvollziehbaren Prozess schnellstens alle Alternativen zur Flutung und zur Rückholung entwickelt und bewertet werden. Die Risiken müssen von unabhängigen Fachleuten analysiert und die Untersuchungsmethoden und -ergebnisse öffentlich gemacht werden. Grundlage für alle Planungen und Entscheidungen muss das Atomrecht mit seinen spezifischen Regelungen sein, insbesondere im Hinblick auf die Öffentlichkeitsbeteiligung. Da die Bundesregierung bislang nicht gewillt ist, das Atomrecht anzuwenden, unterstützen wir die Klage der Asse-Anwohnerin Irmela Wrede und tragen zur finanziellen Absicherung über den Asse-II-Rechtshilfefonds bei. Die
katastrophalen Erfahrungen mit Asse II müssen Konsequenzen
für den
weiteren Umgang mit der Atomenergie haben. Wer diese Erfahrungen ernst
nimmt, kommt um die Erkenntnis nicht herum, dass eine weitere
Produktion von Atommüll grundsätzlich nicht zu verantworten
ist. Remlingen, 4. April 2007 |
Nach einer gemeinsamen
Erklärung der
drei beteiligten
Ministerien vom November 2007 wird zur Zeit eine intensive Diskussion
darüber geführt, ob
es vielleicht doch andere, sicherere Schließungsverfahren gibt
bzw. es möglich/erforderlich ist, einen Teil oder alle
Atommüll-Fässer wieder zurückzuholen.
Auf einer Veranstaltung des Landkreises
Wolfenbüttel am 21.
November 2007
wurden die ersten Ansätze dieser Überlegungen
vorgestellt.
Ab 2008 gibt es die GSF übrigens
nicht mehr. Sie firmiert jetzt
unter "HelmholtzZentrum münchen".
Die Fässer verrotten schon jetzt im nassen Salz!
Dieses
Fazit ziehen wir aus den
Enthüllungen vom Juni diesen Jahres,
als 20 Jahre nach den ersten Messungen endlich bekannt
wurde
1.)
im Bereich
der Einlagerungskammern auf der
750-m-Sohle sind große Mengen an Flüssigkeit vorhanden.
| Seit bislang noch
unbekannter Zeit gibt es in diesem Bereich sogenannte
Laugensümpfe - feuchte Bereiche im Steinsalz. Die Lauge stammt
angeblich aus den alten Kali-Abbaukammern, die vor 70 bis 80 Jahren mit
nassem Material verfüllt worden seien. So stellt sich doch die Frage, was in den unzugänglichen Einlagerungskammern geschieht - liegen da die untersten Fässer schon seit langem in einem Salzbrei? |
2.) Proben dieser
Laugen enthalten
bereits seit 20 Jahren Cäsium-137 und weitere Radionuklide.
| Cäsium-137 kommt in der
Natur
nicht vor, sondern entsteht bei der Kernspaltung. Es ist in
eingelagerten Fässern, die aus der damaligen
Wiederaufbereitungsanlage
für abgebrannte Kernelemente in Karlsruhe stammen, vorhanden. In
den Laugenproben wurden außerdem Spuren von Plutonium und
Strontium gefunden. Am 21.8.08 gab der Staatssekretär des Niedersächsischen Umweltministeriums Birkner bekannt, dass nach einem neuen Gutachten die Radionuklide aus eingelagerten Fässern stammen. |
Auch ohne genehmigten
Langzeitsicherheitsnachweis liefen bis Herbst 2008 die
Arbeiten
untertage weiter.
Es wurden Fakten geschaffen, die nach
Angaben
der
ehemaligen Betreiber auf die Langzeitsicherheit keinen Einfluss haben
würden, jedoch nach unserer Ansicht andere Schließungs- und
Sicherungsverfahren oder die Rückholung immer mehr erschweren. Der
Tiefenaufschluss unterhalb der Einlagerungskammern (750-m-Sohle) wurde
bereits bis etwa 875 m mit Salz, Schotter und Sorelbeton verfüllt
und mit
Magnesiumchlorid-Lösung geflutet.
Weiter oben wurden neue Kammern im Salz
aufgefahren und unter anderem eine Betonmischanlage (rechts auf dem
Bild) und Lagerbecken
für Flüssigkeiten eingerichtet. Ab Dezember 2006
wurden sogenannte
Strömungsbarrieren gebaut.
Unterhalb der Einlagerungskammern wurden mittlerweile neun
dieser Barrieren fertiggestellt.
Seit August
2008 werden endlich vom niedersächsischen
Umweltministerium alle geplanten Bauarbeiten daraufhin
überprüft, ob durch ihre Umsetzung andere - bessere -
Möglichkeiten der Schließung (d.h. Rückholung bzw.
bessere Einschlussvefahren) gefährdet werden.
Die Remlinger Erklärung ist die
Basis für unsere
Mitarbeit im Januar 2008 angelaufenen Asse-Begleitprozess:
Austausch zwischen den drei beteiligten Ministerien, VertreterInnen der
im Landkreis vertretenen Fraktionen, VertreterInnen der
Bürgerinitiativen und von Umweltverbänden (stimmberechtigte
Mitglieder der Begleitgruppe Asse II) und dem Bundesamt für
Strahlenschutz, dem Helmholtzzentrum, dem Kernforschungszentrum
Karlsruhe und drei von den stimmberechtigten Mitgliedern benannten
unabhängigen Wissenschaftlern).
Die stimmberechtigten Mitglieder der
Begleitgruppe Asse II fordern,
Verfüllung und Flutung zu stoppen: siehe Bericht der Wolfenbütteler
Zeitung vom 9.8.08
| Diese Erfolge - Atomrecht
für Asse II, Optionenvergleich und eine ernsthafte
Umgebungsüberwachung - sind durch die breite Unterstützung
der "Remlinger Erklärung" vom April 2007 und durch die Einreichung
der Klage auf Atomrecht für Asse II zustande gekommen. Mit weiterer Aufmerksamkeit und öffentlichem Druck muss es jetzt gelingen, das Ergebnis des Optionenvergleichs - die Rückholung des Atommülls als einzige nachhaltiges Verfahren zur Sicherung der Asse - auch durchzusetzen. Und angesichts des Asse-Desasters gilt es umsomehr, aufzupassen, was an anderen Endlagerstandorten geschieht - und sich dafür einzusetzen dass kein weiterer Atommüll produziert wird. |
![]() Foto: Helga von Graefe |