Presseerklärung des Arbeitskreises Asse des Jugendumweltnetzwerks Niedersachsen JANUN e.V. vom 22.8.08


94 Fässer mit Brennelementen aus Versuchsreaktor
unter umstrittener Rechtslage in die Asse eingelagert!

In das Atommülllager Asse II wurden in fast 100 Fässern Brennelemente -Kugeln des Jülicher Allgemeinen Versuchsreaktors (AVR) unter unsicherer Rechtslage zwischen 1973 und 1976 in die Asse eingelagert.

100.000 dieser Kugel-Brennelemente sollten auch offiziell als erster hoch radioaktiver Atommüll in die Asse eingelagert werden. Doch dagegen war eine Klage erfolgreich. Bisher ist die regionale Öffentlichkeit deshalb davon ausgegangen, dass keine Brennelemente-Kugeln in die Asse eingelagert wurden.

Am 4. März 1976 erhielt die GSF von der Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die Genehmigung, ab Sommer 1978 100.000 hochradioaktiven Kugelbrennelementen aus dem Forschungsreaktor Jülich über den neu errichteten Schienenanschluss zur Asse II einzulagern. Doch am 5. September 1976 trat die 4. Novelle des Atomgesetzes in Kraft und seitdem ist eine neue Genehmigung zur Endlagerung von Atommüll ohne die Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens mit Öffentlichkeitsbeteiligung nicht mehr möglich.

Die GSF begann dennoch am 15. September 1976 mit der Einlagerung der radioaktiver Abfälle aus Jülich, die sich bis zum Jahresende fortsetzte.

Als der stellvertretende Landrat des Landkreises Wolfenbüttel, Reinhold Stövesandt, und vier weitere Bürger am 19.9.1977 Widerspruch gegen die Einlagerungsgenehmigung beim Verwaltungsgericht Braunschweig einlegten, und dagegen im März 1978 weiter klagten, sah sich die PTB gezwungen, die erteilte Genehmigung zurückzuziehen.1

Nun stellt sich auch heraus, dass 942 Fässer mit in Beton eingegossene Graphit-Kugel-Brennelemente bereits von September 1973 bis November 1974 aus dem Kernforschungszentrum Jülich in die Asse geliefert wurden. Weitere 2 Fässer wurden im Dezember 1976 geliefert mit einer Radioaktivität von 200 Curie

hier dokumentieren wir Kopien der Lieferscheine.


Der von 1959 bis 1966 von der Firma Brown-Boveri/Krupp unter der Leitung von Rudolf Schulten erbaute 113 Mio. DM teure Versuchsreaktor in Jülich war ein gasgekühlter Hochtemperatur-Kugelhaufenreaktor, der 17.000 Brennelement-Kugeln zum Betrieb benötigte. Der Versuchsreaktor lief seit 1966 nicht frei von Störfällen: Schäden an Brennelementen überhöhte Tritiumabgaben an die Luft und Stillständen von mehreren Monaten wegen Dampferzeugerlecks.

An der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor AVR GmbH waren neben den Stadtwerke Düsseldorf (20,82%) 1985 auch die Stadtwerke Bremen (12,5%) und die Stadtwerke Hannover (8,32%) als Gesellschafter beteiligt. Der Versuchsreaktor wurde 1988 stillgelegt und wird heute noch zurückgebaut.


1 Vgl.: Asse-Gruppe des Braunschweiger Arbeitskreis gegen Atomenergie: Radioaktive Fässer im Salzsee? Eine kritische Betrachtung der „Versuchsendlagerung“ radioaktiver Abfälle im ehemaligen Salzbergwerk Asse 2, Kedding-Druck, Braunschweig, 1978, S. 5; „Klage gegen Einlagerung von Atomkugeln“, in: Braunschweiger Zeitung vom 25.3.1978; Chronik v. Ursela Schönberger v. 29.3.2007

2 Begleitschein 1585-1633, Kataster 5, besonders 1632+1633 je 10 Fässer, Begleitschein 1596 und 1623 je 6 Fässer usw.